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bild Mit den Händen Sprechen, mit den Augen hören

Informationen zu Gebärdensprache und Gehörlosenkultur

Markus Steinbach >> Homepage

In Zusammenarbeit mit Studierenden des Deutschen Instituts und Gebärdensprachdozenten der Gehörlosen Vereinigung zur Förderung der Gebärdenkurse Frankfurt am Main und des Landesverband der Gehörlosen Rheinland-Pfalz

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>> Internetadressen zum Thema
>> Gebärdensprachkurse in Mainz und Umgebung
>> Gebärdensprachlinguistik in Mainz
>> Bilder der Gebärdensprachkurse am Deutschen Institut
Präsentationen
>> Präsentation auf dem Wissenschaftmarkt, Mainz 2005
>> Präsentation auf dem Symposium "Neuronen im Gespräch - Sprache und Gehirn", Nürnberg 2006
>> Präsentation beim Studium Universale, Leipzig 2007

Die meisten natürlichen Sprachen der Welt, mit deren Hilfe Menschen kommunizieren, sind akustisch-auditiv. Dies bedeutet, dass Menschen beim ausatmen Laute produzieren und auditiv wahrnehmen. Allerdings sind natürliche menschliche Sprachen nicht notwendigerweise an die Artikulation von Lauten gebunden. Die Gebärdensprachen gehörloser Menschen sind natürliche Sprachen, die nicht wie Lautsprachen mithilfe der Lunge, der Stimmlippen, der Zunge und der Zähne produziert werden, sondern mithilfe der Hände, des Oberkörpers und des Gesichts. Zudem werden Gebärdensprachen nicht auditiv, sondern visuell wahrgenommen. Da Gebärdensprachen die einzigen menschlichen Sprachen sind, die keine lautlich-auditive, sondern eine gestisch-visuelle Grundlage haben, haben sie in den letzten Jahren nicht nur in der sprachwissenschaftlichen Forschung starkes Interesse geweckt. Gebärdensprachen für alle, die sich mit grundsätzlichen Eigenschaften menschlicher Sprachen und den historischen, sozialen und kognitiven Grundlagen von Sprache befassen, von zentralem Interesse. Zudem hat die Gebärdensprache für gehörlose Menschen dieselbe zentrale Bedeutung wie die Muttersprache für einen hörenden Menschen. Sie ermöglicht es gehörlosen Menschen, ungezwungen zu kommunizieren, und sie schafft kulturelle Identität.
Auf der einen Seite haben sprachwissenschaftliche Untersuchungen von verschiedenen Gebärdensprachen gezeigt, dass sich Lautsprachen und Gebärdensprachen ähnlicher sind, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Gebärdensprachen verwenden basieren weitgehend auf denselben grammatischen Strukturen und mentalen Repräsentation wie Lautsprachen. Dies bedeutet, dass unsere Sprachfähigkeit nicht auf eine bestimmte Modalität festgelegt ist, weder auf die akustisch-auditive Modalität von Lautsprachen, noch auf die gestisch-visuelle Modalität von Gebärdensprachen. Auf der anderen Seite gibt es natürlich nicht unerhebliche Unterschiede zwischen Gebärdensprachen und Lautsprachen: Für diese Unterschiede sind vor allem zwei Faktoren verantwortlich. Zum einen sind die Artikulationsorgane der Gebärdensprachen viel größer und damit auch langsamer als die der Lautsprachen. Zum anderen sind Gebärdensprachen im Gegensatz zu Lautsprachen vierdimensionale Sprachen. Daher können sie mehrere Aspekte einer Äußerung gleichzeitig ausdrücken, so dass man in einer Gebärdensprache trotz der langsamen Artikulationsorgane genauso schnell ‘sprechen’ kann wie in einer Lautsprache. Lautsprachen verfügen aufgrund ihrer eindimensionalen Struktur nicht über die Möglichkeit, mehrere Dinge gleichzeitig auszudrücken.