Eva Gressnich
Franz d'Avis

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Deskriptive Sprachwissenschaft


Aktuell



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Der Fachteil deskriptive Sprachwissenschaft des Deutschen untersucht die deutsche Sprache der Gegenwart. Darin unterscheidet er sich vom zweiten sprachwissenschaftlichen Fachteil am Deutschen Institut, der historischen Sprachwissenschaft, in dem frühere Sprachstufen des Deutschen beschrieben werden und den Fragen nachgegangen wird, wie sich die deutsche Sprache gewandelt hat und wie und warum sich Sprachen überhaupt wandeln. Im Fachteil deskriptive Sprachwissenschaft des Deutschen wird dagegen die deutsche Sprache der Gegenwart genau beschrieben und es werden Erklärungen für die vorgefundenen sprachlichen Strukturen gegeben.

Sprachwissenschaft – deskriptiv

Ausgangspunkt für jede Erklärung ist zunächst eine genaue Beschreibung der Grammatik des Deutschen. Zum Beispiel wird gefragt:

- wodurch der Unterschied zwischen den Wörtern überSETZEN und ÜBERsetzen zustande kommt. Beide Wörter unterscheiden sich durch den Wortakzent, der in der Phonetik/Phonologie untersucht wird;
- was das Wort Elchtest von dem Wort Testelch unterscheidet. Der Unterschied liegt im rechten Element, dem Kern des Kompositums; das wird in der Morphologie untersucht;
- was der Unterschied zwischen Darf die das? Die darf das! Dass die das darf! ist. Die drei Sätze unterscheidet unter anderem die Verbstellung, die Gegenstand der Syntax ist;
- warum der Satz Ein Buch hat jeder Mensch gelesen doppeldeutig ist. Der Unterschied liegt im Wirkungsbereich der Ausdrücke jeder und einen: Entweder gibt es ein Buch, für das gilt, dass es alle Menschen gelesen haben, oder es gilt, dass jeder Mensch ein Buch gelesen hat, es aber nicht dasselbe Buch sein muss. Diese Mehrdeutigkeit wird in der Satzsemantik untersucht. Ein zweiter Bereich der Semantik ist die lexikalische Semantik, die untersucht, was Wörter wie Steckenpferd oder Humanismus bedeuten oder welche Dinge sich mit dem Ausdruck Zeitung benennen lassen. Die Bedeutung der einzelnen Wörter kann in einem Lexikon nachgesehen werden.

Die Grammatik ermöglicht es den Sprecherinnen und Sprechern, korrekte Sätze zu bilden, die in der Kommunikation geäußert werden. Wie man Äußerungen sinnvoll zur Verfolgung bestimmter Zwecke einsetzt, wird in der Pragmatik untersucht. Zum Beispiel wird gefragt,

- worin der Unterschied zwischen einem Versprechen und einer Drohung besteht;
- warum man die Äußerung Geschäft ist Geschäft im Sinne von „So ist das Geschäftsleben nun einmal; da kann man nichts machen" versteht;
- wie einzelne Äußerungen in einem Gespräch oder in einem Text verknüpft werden können. Warum reden wir in dem Beispiel Eine Frau kommt ins Zimmer. Sie ist müde. über eine Frau, in dem sehr ähnlichen Beispiel Sie kommt ins Zimmer. Eine Frau ist müde. dagegen über zwei Frauen?

Die deskriptive Sprachwissenschaft beschäftigt sich außerdem mit den zahlreichen Sprachvariationen (Dialekten, Soziolekten, Fachsprachen), die im Deutschen zu finden sind. Zum Beispiel wird gefragt,

- inwiefern der Satz Dat die dat darf die regionale und soziale Herkunft eines Sprechers oder einer Sprecherin verrät;
- wo es Sonnabend bzw. Samstag, wo Semmel bzw. Brötchen heißt.

Die genaue Beschreibung der Grammatik und Pragmatik des Deutschen und seiner Variationen ist die erste wichtige Aufgabe der Sprachwissenschaft.

Sprachwissenschaft – kognitiv

In der Sprachwissenschaft will man Sprache jedoch nicht nur beschreiben, sondern auch erklären. In diesem Zusammenhang wird zum Beispiel gefragt:

- Kann man die Verhältnisse im Deutschen auf allgemeine, für alle Sprachen gültige Prinzipien oder Gesetze zurückführen?
- Ist die menschliche Sprachfähigkeit angeboren oder wird die Sprache gelernt? Wie ist es möglich, dass Kinder ihre Muttersprache so früh und selbstverständlich erwerben?
- Wo und wie wird Sprache im Gehirn produziert und verarbeitet?
- Warum kommt es zur Ausprägung von Sprachvarietäten (z.B. Dialekten oder Fachsprachen)?
- Warum ist die Sprache einem ständigen Wandel unterworfen?

Um solche Fragen zu beantworten, werden Theorien aufgestellt, z.B. die Theorie der Universalgrammatik, des Spracherwerbs, der Sprachproduktion, Sprachverarbeitung und des Sprachwandels. Der Sprachbesitz ist ganz fundamental für den Menschen. Seine Wahrnehmung, sein Denken, sein Fühlen und Handeln sind mit Sprache verknüpft. Alle diese Fähigkeiten haben eine neuronale Basis im menschlichen Gehirn. Zusammen mit anderen Wissenschaften wie der Psychologie und der Neurologie untersucht die kognitive Sprachwissenschaft Sprache als geistige Leistung des Menschen. Insofern ist sie eine genuine Geisteswissenschaft. Ihre Methoden sind jedoch empirisch: Ausgehend von der Beschreibung der Grammatik und Pragmatik werden widerlegungsfähige Theorien aufgestellt, die der Erkenntnis der menschlichen Sprachfähigkeit dienen.


Sprachwissenschaft – Studium

Magisterstudierende können die deskriptive Sprachwissenschaft im Hauptstudium als ersten oder zweiten Fachteil wählen. Eine Kombination mit der historischen Sprachwissenschaft ist möglich. Magisterstudierende können sich somit im Hauptstudium auf das Studium der historischen und deskriptiven Sprachwissenschaften konzentrieren.

Lehramtsstudierende können das Themengebiet 'Deutsche Sprache', das die historische und deskriptive Sprachwissenschaft umfasst, als Haupt- oder Nebengebiet wählen. Für Lehramtsstudierende sind sehr gute Kenntnisse der deskriptiven Sprachwissenschaft unerlässlich, da Themengebiete wie Grammatik, Orthografie, Mehrsprachigkeit, sprachlichers Handeln, Textlinguistik, Sprache und Literatur und Reflexion über Sprache elementare Bestandteile des Deutschunterrichts sind. In Abschlussarbeiten können Lehramtsstudierende schulrelevante linguistische Themen bearbeiten. Kleine empirische Untersuchungen an Schulen sind in diesem Kontext möglich.
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Um unseren Studierenden ein effektives Studium zu ermöglichen, haben wir unter anderem zahlreiche Lehrbücher verfasst, die zur Verbesserung des Magister- und Lehramtstudiums beitragen.
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Sprachwissenschaft – Berufsperspektiven

Das Studium der Sprachwissenschaft bietet Berufsperspektiven in unterschiedlichen Berufsfeldern. Die im Studium erworbenen Kenntnisse finden u.a. folgende Anwendungen:

- durch Lehrerinnen und Lehrer an Schulen, Volkshochschulen und Sprachlehrinstituten
- im Zweitsprachunterricht von Erwachsenen im In- und Ausland
- beim Übersetzen und Dolmetschen
- in der klinischen Linguistik bei der Diagnose und Therapie von Sprachstörungen
- in der Sprachheilpädagogik und Logopädie
- in der maschinellen Sprachverarbeitung (Computerlinguistik)
- im Bereich der Medien (in Zeitungs-, Radio- und Fernsehredaktionen), Werbung und Public Relations
- in der forensischen Linguistik